3D-Systembrett: Aufstellungen im Raum erleben
Auf dem 3D-Systembrett wird aus einem Bild ein Raum: Sie stellen Familien, Teams oder Organisationen mit Figuren auf, gehen um das Brett herum und schauen aus der Sicht jeder Figur – kostenlos im Browser.
Was ist ein Systembrett – und was bringt die dritte Dimension?
Das Systembrett ist ein Brett mit Figuren, auf dem Menschen ihre Beziehungen in Teams, Familien oder Organisationen aufstellen. Abstand, Blickrichtung und Größe zeigen, wie Beziehungen erlebt werden: Wer steht wem nah? Wer schaut wohin? Wer steht abseits? Die Methode geht auf das Familienbrett zurück, das Anfang der 1980er-Jahre von Kurt Ludewig und Kolleginnen und Kollegen in Hamburg entwickelt wurde. Heute wird das Systembrett in Beratung, Supervision, Coaching und Organisationsentwicklung eingesetzt.
Auf dem echten Brett beugen sich Klientinnen und Klienten oft darüber, gehen um den Tisch herum oder schauen aus der Höhe einer Figur auf die anderen. Der stärkste Moment einer Aufstellung ist häufig dieser Perspektivwechsel: Die Klientin stellt sich gedanklich an den Platz ihres Kollegen und sieht plötzlich, dass er von dort aus nur ihren Rücken sieht. Auf dem flachen Brett muss man sich das vorstellen. Im 3D-Systembrett geht die Kamera auf Augenhöhe der Figur – und man sieht es.
Was das 3D-Systembrett kann
- Räumlich aufstellen: quadratisches, rechteckiges oder rundes Brett; Figuren lassen sich auch neben das Brett auf den Tisch stellen – etwa für das, was „außen vor“ ist.
- Weit über hundert Figuren und Symbole: Menschen in verschiedenen Haltungen, Tiere, Pflanzen, Gegenstände, Gefühle und Werte.
- Umrunden und betrachten: freie Ansicht oder feste Ansichten von oben, vorn, links, rechts und hinten – per Maus oder mit einem Tastendruck.
- In die Sicht einer Figur wechseln: die Kamera auf Augenhöhe der Figur, auf Wunsch mit eingezeichnetem Blickfeld.
- Bilder und Vergleich: Beim Wechsel zwischen Ist- und Lösungsbild gehen die Figuren an ihre neuen Plätze; zwei Bilder lassen sich nebeneinander zeigen, Spuren zeigen die frühere Lage.
- Bilderbogen: zum Abschluss eine druckbare Übersicht mit der Aufstellung von oben, von vorn und aus der Sicht jeder Figur – samt einer Übersicht, wer wen im Blick hat. Er lässt sich als PDF speichern.
- Rückgängig und Wiederholen über große Pfeile und ein automatischer Zwischenstand im Browser.
So arbeiten Sie mit dem 3D-Systembrett
- Anliegen klärenUm welches System und welche Frage geht es?
- Figuren wählen und benennenfür Personen und Gruppen, aber auch für Themen, Ziele oder Hindernisse.
- Intuitiv aufstellenAbstand, Blickrichtung und Größe so, wie es sich stimmig anfühlt.
- Von außen und von innen betrachtenWas fällt von oben auf? Wie sieht die Lage aus der Sicht jeder Figur aus?
- Veränderungen ausprobierenWas ändert sich, wenn eine Figur einen Schritt geht oder sich umdreht? So entsteht ein Lösungsbild.
- Ersten Schritt festhaltenDer Bilderbogen dokumentiert Ausgangs- und Lösungsbild für die Zeit nach der Sitzung.
Im Coaching vor Ort und per Video
In der Präsenzsitzung ergänzt das 3D-Systembrett das Holzbrett, wenn der Blick aus einer Figur heraus wichtig wird. Im Coaching per Video kann es an die Stelle des Holzbretts treten: Die Klientin oder der Klient sieht dieselbe Aufstellung, und eine Figur kann stellvertretend dorthin „gehen“, wohin man selbst nicht gehen kann. Typische Anlässe sind Konflikte im Team, neue Führungsrollen, Umstrukturierungen oder Entscheidungen, die mehrere Menschen betreffen. Was eine Aufstellung bedeutet, entscheidet die Klientin oder der Klient – nicht das Programm.
2D oder 3D?
Beide Bretter verwenden dieselben Figuren und Symbole: Eine Aufstellung aus dem flachen Systembrett-Editor (2D) lässt sich im 3D-Brett öffnen und wieder zurückspeichern. Das 2D-Brett eignet sich, wenn Sie das Ergebnis als PowerPoint, LibreOffice Impress, Visio, SVG oder PNG weitergeben möchten; das 3D-Brett, wenn der Raum und die Sicht der Figuren im Vordergrund stehen. Mehr zur Methode lesen Sie auf der Seite Systembrett (2D und 3D) und im Beitrag Das Systembrett: Systeme aufstellen in 2D und 3D.
Technik und Datenschutz
Das 3D-Systembrett besteht aus einer einzigen Datei, die in einem aktuellen Browser läuft. Die 3D-Darstellung erzeugt der Browser selbst; es werden keine Bibliotheken oder Inhalte aus dem Internet nachgeladen. Alle Daten bleiben auf Ihrem Rechner – in den Dateien, die Sie speichern, und im Zwischenspeicher des Browsers. Das Werkzeug ist kostenlos, steht als freie Software unter der GPL zur Verfügung und lässt sich auf Deutsch und Englisch bedienen. Es ist eine Erprobungsfassung, die ich laufend weiterentwickle.
Weitere Coaching-Werkzeuge in 3D
Nach demselben Prinzip gibt es weitere Methoden als begehbare 3D-Modelle: Bodenanker, Träumer – Macher – Kritiker, logische Ebenen nach Dilts, U-Prozess der Theorie U, soziales Atom, inneres Team und Lebenslinie. Einen Überblick gibt der Beitrag Coaching-Werkzeuge in 3D.
Das 3D-Systembrett dient im Coaching als Reflexions- und Gesprächsmodell, nicht als Diagnoseinstrument. Coaching ist eine beratende Tätigkeit und ersetzt keine Psychotherapie. Wenn Sie eine Situation in Ihrem Team oder Ihrer Organisation aufstellen möchten, sprechen Sie mich im kostenfreien Erstgespräch an – mehr zu meinem Angebot finden Sie unter Business Coaching und Teamentwicklung.
Häufige Fragen zum 3D-Systembrett
Was ist ein 3D-Systembrett?
Ein 3D-Systembrett ist die räumliche, digitale Form des Systembretts. Figuren für Personen, Gruppen oder Themen stehen in 3D auf einem Brett; die Aufstellung lässt sich umrunden und aus der Sicht jeder Figur betrachten.
Ist das 3D-Systembrett kostenlos?
Ja. Das 3D-Systembrett ist kostenlos und freie Software unter der GPL. Es braucht weder Installation noch Konto.
Kann ich das 3D-Systembrett im Online-Coaching nutzen?
Ja. Es läuft im Browser, und die Aufstellung lässt sich per Bildschirmfreigabe gemeinsam betrachten. Eine Figur kann stellvertretend die Plätze wechseln, und der Blick aus jeder Position wird sichtbar.
Was ist der Unterschied zwischen dem 2D- und dem 3D-Systembrett?
Das 2D-Brett zeigt die Aufstellung von oben und gibt sie als PowerPoint, Visio, SVG oder PNG aus. Das 3D-Brett zeigt sie räumlich und aus der Sicht jeder Figur. Aufstellungen lassen sich zwischen beiden austauschen.
Werden beim 3D-Systembrett Daten übertragen?
Nein. Das Werkzeug läuft vollständig in Ihrem Browser und lädt nichts aus dem Internet nach. Ihre Aufstellungen speichern Sie als Datei auf Ihrem Rechner.
Ist eine Aufstellung auf dem Systembrett eine Diagnose?
Nein. Das Systembrett ist ein Reflexions- und Gesprächsmodell, kein Diagnoseinstrument. Was ein Bild bedeutet, entscheidet die Person, die aufstellt.
Quellen: Ludewig, K.; Pflieger, K.; Wilken, U.; Jacobskötter, G. (1983): Entwicklung eines Verfahrens zur Darstellung von Familienbeziehungen: Das Familienbrett. Familiendynamik 8. – Varga von Kibéd, M.; Sparrer, I. (2000): Ganz im Gegenteil. Tetralemmaarbeit und andere Grundformen Systemischer Strukturaufstellungen. Heidelberg: Carl-Auer.
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