Spiral Dynamics und das Graves-Value-Model
Warum Menschen und Organisationen so verschieden „ticken“ – und wie man darüber ins Gespräch kommt: das Wertemodell von Clare W. Graves und seine Weiterentwicklung Spiral Dynamics.
Was ist das Graves-Value-Model?
Clare W. Graves lehrte Psychologie am Union College in Schenectady (New York) und untersuchte ab den 1950er-Jahren, wie sich die Wertvorstellungen von Menschen entwickeln. Er kam zu dem Schluss, dass Wertesysteme keine feste Eigenschaft eines Menschen sind, sondern sich als Antwort auf die Lebensbedingungen herausbilden, denen Menschen begegnen – und auf die Fähigkeiten, die sie entwickeln, um damit umzugehen. Seine Theorie nannte er „Emergent Cyclical Levels of Existence Theory“ (ECLET); bekannt ist sie heute vor allem als Graves-Modell oder Graves Value Model.
Einige Grundgedanken prägen das Modell:
- Lebensbedingungen und Antworten: Ändern sich die Bedingungen, kann ein neues Wertesystem entstehen. Graves bezeichnete die Systeme deshalb mit Buchstabenpaaren – der erste Buchstabe steht für die Lebensbedingungen, der zweite für die Art, mit ihnen umzugehen.
- Ich und Wir im Wechsel: Wertesysteme, die den Einzelnen betonen, und solche, die die Gemeinschaft betonen, folgen aufeinander.
- Offen nach vorn: Die Entwicklung hat kein Endziel; Graves sprach von einer nie endenden Suche.
- Unter Druck treten oft frühere Wertesysteme in den Vordergrund.
Was ist Spiral Dynamics?
Don Beck und Christopher Cowan haben Graves’ Modell weiterentwickelt und 1996 in ihrem Buch „Spiral Dynamics“ einem breiten Publikum vorgestellt. Sie geben den Wertesystemen Farben und wenden das Modell auf Führung, Organisationen und Veränderungsprozesse an. Das Bild der Spirale steht dafür, dass sich Wertesysteme aufeinander aufbauen, ohne die früheren zu ersetzen: Sie bleiben verfügbar und werden je nach Lage wieder wichtig.
| Graves | Spiral Dynamics | Im Mittelpunkt |
|---|---|---|
| A-N | Beige | Überleben und Grundbedürfnisse |
| B-O | Purpur | Zugehörigkeit und Geborgenheit: Zusammenhalt, Loyalität, Rituale |
| C-P | Rot | Kraft und Tatendrang: Energie, Mut und Tempo |
| D-Q | Blau | Ordnung und Pflicht: Verlässlichkeit, Struktur und klare Regeln |
| E-R | Orange | Leistung und Fortschritt: Ziele, Innovation, Unternehmergeist |
| F-S | Grün | Gemeinschaft und Menschlichkeit: Wertschätzung und Beteiligung |
| G-T | Gelb | systemisches, flexibles Denken: Zusammenhänge, Kompetenz statt Rang |
| H-U | Türkis | Ganzheit und Verbundenheit: Sinn, Nachhaltigkeit, Verantwortung |
Jedes Wertesystem hat seine Stärken – und seine Übertreibung: Aus Ordnung kann Bürokratie werden, aus Leistung Raubbau, aus Gemeinschaft endlose Konsenssuche. Entscheidend ist deshalb nicht, welche Farbe „höher“ steht, sondern ob die Mischung zu den Aufgaben, den Menschen und dem Umfeld passt.
Graves-Value-Model und Spiral Dynamics: der Unterschied
Das Graves-Value-Model ist die ursprüngliche Forschungsarbeit mit ihrer Theorie der Lebensbedingungen und Bewältigungsformen. Spiral Dynamics baut darauf auf, macht das Modell mit Farben anschaulich und überträgt es ausdrücklich auf Organisationen, Führung und Wandel. Wer sich mit den Grundlagen beschäftigen möchte, liest Graves; wer über Kultur und Veränderung in einem Unternehmen sprechen möchte, findet in Spiral Dynamics eine gut verständliche Sprache dafür.
Wie ich die Modelle einsetze
In meinem 8-Ebenen-Modell nutze ich Spiral Dynamics – neben der Theorie U und der Dilts-Pyramide –, um über die Kultur von Teams und Organisationen zu sprechen. Typische Anlässe sind Veränderungen, die am „Das haben wir immer so gemacht“ scheitern, Spannungen zwischen Bereichen mit unterschiedlichen Prioritäten oder die Frage, warum sich eine Person in einem Unternehmen sofort zu Hause fühlt und eine andere nie. Gute Fragen für das Gespräch sind etwa:
- Welche Regeln tragen uns wirklich – und welche haben sich überlebt?
- Was belohnen wir im Alltag, und passt das zu dem, was wir sagen?
- Was wird bei uns unter Druck wichtiger – und was geht dann verloren?
Für den Einstieg habe ich zwei kostenlose Fragebögen entwickelt, das Werteprofil für Organisationen und für Personen. Sie zeigen, welches Gewicht sieben Wertesysteme heute haben, auf Wunsch auch im Wunschbild und unter Druck. Der Werte-U-Kompass verbindet das Werteprofil mit der Theorie U. Die Fragebögen laufen im Browser und übertragen keine Daten:
Ein Werteprofil ist eine Orientierung, kein Etikett. Die Fragebögen sind Erprobungsfassungen und nicht wissenschaftlich validiert; sie dienen als Anlass für das Gespräch. Coaching ist eine beratende Tätigkeit und ersetzt keine Psychotherapie.
Wenn Sie die Werte in Ihrem Team oder Ihrer Organisation besprechen oder eine Veränderung mit Blick auf die Kultur planen möchten, begleite ich Sie gern in der Persönlichkeits- und Teamentwicklung und im Business-Change-Management.
Häufige Fragen zu Spiral Dynamics und Graves
Was ist Spiral Dynamics?
Spiral Dynamics ist ein Modell der Werteentwicklung von Menschen und Organisationen. Don Beck und Christopher Cowan haben es 1996 auf Grundlage der Forschung von Clare W. Graves bekannt gemacht und den Wertesystemen Farben gegeben – von Beige über Purpur, Rot, Blau, Orange und Grün bis zu Gelb und Türkis.
Was ist das Graves-Value-Model?
Das Graves-Value-Model ist die Theorie des Psychologen Clare W. Graves (1914–1986) über die Entwicklung menschlicher Wertesysteme. Graves nannte sie „Emergent Cyclical Levels of Existence Theory“ (ECLET): Wertesysteme bilden sich als Antwort auf die jeweiligen Lebensbedingungen heraus.
Was ist der Unterschied zwischen dem Graves-Modell und Spiral Dynamics?
Das Graves-Modell ist die ursprüngliche Theorie mit Buchstabenpaaren wie A-N oder D-Q. Spiral Dynamics baut darauf auf, bezeichnet die Wertesysteme mit Farben und überträgt das Modell auf Organisationen, Führung und Veränderung.
Ist eine Farbe besser als eine andere?
Nein. Jedes Wertesystem hat Stärken und kann übertrieben werden. Entscheidend ist, ob die Mischung zu den Aufgaben, den Menschen und dem Umfeld passt.
Kann man Menschen mit Spiral Dynamics einordnen oder diagnostizieren?
So setze ich das Modell nicht ein. Spiral Dynamics und das Graves-Modell sind für mich Reflexions- und Gesprächsmodelle, keine Diagnoseinstrumente. Ein Werteprofil gibt eine Orientierung und einen Anlass für das Gespräch, kein Etikett.
Wie hilft Spiral Dynamics in Unternehmen?
Es gibt eine gemeinsame Sprache für Werte und Kultur. Damit lassen sich Spannungen zwischen Bereichen, Widerstände gegen Veränderungen und unterschiedliche Erwartungen an Führung besprechen, ohne Personen zu bewerten.
Quellen: Graves, C. W. (2005): The Never Ending Quest. Hrsg. von C. C. Cowan und N. Todorovic. Santa Barbara: ECLET Publishing. – Beck, D. E.; Cowan, C. C. (1996): Spiral Dynamics. Mastering Values, Leadership, and Change. Malden: Blackwell.
Markenhinweis: Spiral Dynamics® ist eine eingetragene Marke von National Values Center Consulting. Der Name bezeichnet hier nur das zugrunde liegende Modell; es besteht keine Verbindung zu den Markeninhabern, und meine Fragebögen sind von ihnen weder zertifiziert noch autorisiert.
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